Positionierung der SPD Bad Godesberg zum Bauvorhaben "Schlosshöfe" in Mehlem

                                                                                                                                              Bonn,     18.08.2020

 

Stellungnahme & Positionierung der SPD Bad Godesberg

zum Bauvorhaben der Schlosshöfe

in Mehlem

 

Die SPD Bad Godesberg begrüßt das Bauvorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Jugoslawischen Botschaft. Durch den akuten Wohnungsmangel gehört Bonn zu den Städten mit den höchsten Mietpreisen in Deutschland. Mehr, und vor allem, bezahlbarer Wohnraum ist daher auch eine der zentralen Forderungen der SPD. In der Bebauung von 80 Wohneinheiten, mit einer Quotelung von 40% sozialgeförderten Wohnungen, sieht die SPD eine Chance die oben genannten Probleme zu lindern.

Klar ist aber auch, dass ein solches Bauvorhaben sozial- und ökologisch gerecht geplant werden muss. Besonders für die Anwohner*innen im unmittelbaren Umkreis der geplanten Schlosshöfe wird die Bebauung eine Mehrbelastung werden. Hier gilt es im engen Austausch mit den bereits gegründeten Initiativen, sowie den Anwohner*innen zu bleiben. Aus der Sicht der SPD wurde eben dieser Austausch bisher vernachlässigt. Besonders der unangekündigte Abriss der Botschaft, sowie der bereits erfolgte Grünschnitt mehrerer alter Bäume auf dem Gelände, stellt die Anwohner*innen vor vollendete Tatsachen. Hier fehlte schlicht die Kommunikation der Stadtverwaltung und der Koalition mit den Bürger*innen vor Ort.

 

Folgende Probleme sehen wir als SPD Bad Godesberg. Diese werden wir mit unseren Bezirks- und Stadtratsverordneten angehen.

 

  1. Die geplante Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss der Schlosshöfe

 

Der geplante Einzelhandel (Supermarkt) im Erdgeschoss der Schlosshöfe stößt nicht nur bei den Mehlemer*innen, sondern auch bei der SPD Bad Godesberg auf Kritik. Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept aus dem Jahr 2008/2012, welches ein Vollsortiment in jedem Bonner Ortsteil vorsieht, lehnen wir an dieser Ort und Stelle aus folgenden Gründen ab:

 

  • Die Intention des Konzepts einer Stärkung der Infrastruktur in Mehlem sehen wir nicht. Dazu liegt der Standort zu weit im Wohngebiet außerhalb des Zentrums.

 

  • Außerdem ist der in Lannesdorf ansässige Einzelhandel (Vollsortiment und zwei Discounter) in unmittelbarer Nähe bereits ausreichend.

 

  • Weder die Schlossallee noch die Mainzer Straße oder gar die Kriemhildstraße sind für eine Mehrbelastung durch täglich mehrere hundert Kund*innen, welche größtenteils mit dem Auto anfahren würden, ausreichend.

Die geplante Tiefgarage wird erfahrungsgemäß nicht von allen Kund*innen genutzt werden, sodass sich die bereits schwierige Parksituation im Umkreis verschärfen wird.

Dies gilt auch für An- und Belieferungswege. Eine tägliche Belieferung des Einzelhandels durch große Lastkraftwagen kann durch die Breite, geschweige denn der Wendemöglichkeiten, in der Schlossalle nicht gewährleistet werden. Die zusätzliche Verkehrsbelastung ist daher für uns nicht hinnehmbar. Insbesondere sind die durch die Anlieferung entstehenden Lärmbelästigungen für die Anwohner in der Schlossallee und der Kriemhildstraße nicht zumutbar.

 

  • Da auch der Investor gerne auf den Einzelhandel verzichten würde, fordern wir die Verwaltung der Stadt Bonn auf nochmals Gespräche mit dem Investor zu führen, um den Einzelhandel aus dem Bebauungsplan zu streichen.

 

  1. Erhaltung der Grünanlagen

 

Die Schlossallee heißt nicht ohne Grund Allee. Wir fordern daher:

 

  • Erhalt aller Alleebäume an der Schlossallee. Dies kann nur durch einen Bauabstand des Gebäudes, der Tiefgarage und des Sockels erreicht werden. Eine Prüfung zum Erhalt der Alleebäume im Auftrag der Verwaltung unterstützen wir.

 

  • Der Erhalt aller Bäume auf dem Grundstück wird voraussichtlich nicht möglich sein. Insbesondere nehmen wir an, dass der Investor für eine Bebauungszufahrt und die Fundamentierung von Gebäuden und Tiefgarage weitere Bäume fällen muss. Im Hinblick auf die „Klimaanalysekarte“, welche eine Luftschneise vom Rhein bis zum Park an der Mainzer Straße festlegt, müssen aber möglichst viele alte Bäume erhalten bleiben. Gleichzeitig sollen möglichst viele neue Bäume gepflanzt und die Tiefgarage entsprechend beschränkt werden. Dies dient auch der Attraktivität der Schlosshöfe. Der Ersatz durch eine Neubepflanzung kleinerer Bäume auf der Decke der Tiefgarage ist nicht ausreichend um in Zeiten von steigenden Temperaturen das Klima vor Ort zu erhalten.

 

  1. Verbindung zur Utestraße

 

Die Utestraße bildet momentan eine von Norden her kommende Sackgasse bis zur nördlichen Grenze des zu bebauenden Geländes. Um den Kraftfahrverkehr parallel zur Mainzer Straße nicht auch noch auf die Utestraße zu erweitern, fordern wir eine Öffnung der Utestraße hin zur Schlossallee ausschließlich für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen.

 

  1. Bauwerkshöhe

 

Die geplante Bauwerkshöhe von drei Stockwerken plus eines vierten Staffelgeschosses ist nicht überall mit der Nachbarbebauung verträglich. Wir werden überprüfen müssen, wie weit sie in einem reinen Wohnprojekt zu reduzieren ist. Besonders sehen wir hier eine Chance für die Verhinderung des Einzelhandels im Erdgeschoss. Wir fordern daher die Stadtverwaltung auf, im Gespräch mit dem Investor, die Bebauung bereits ab dem Erdgeschoss für Wohneinheiten zu vereinbaren. So wäre eine Reduzierung der Bebauung ohne den Verlust der Anzahl an Wohneinheiten möglich.

 

  1. Spielplatz

 

Die SPD Bad Godesberg begrüßt die westlich zur Rüdigerstraße geplante Öffnung des Geländes. Der Zugang zum geplanten Spielplatz auf den Schlosshöfen sollte zweiseitig begehbar sein. Eine Problematik in Bezug auf städtebauliche Angsträume sehen wir nicht. Im Gegenteil – eben durch die unmittelbare Einsicht der Anwohner*innen der Schlosshöfe, wird die Sicherheit für spielende Kinder gewährleistet werden.

 

Im Namen der SPD Bad Godesberg

 

Albert Lopez-Torres                     Gabriel Kunze                                            Helmut Redeker

Direktkandidat Mehlem               Bezirgsbürgermeisterkandidat                Stadtverordneter Mehlem